Die Nikolauskirche in Ingelfingen

Blick auf die Nikolauskirche vom Kurpark

Unsere Kirche überragt mit ihrem Turm die markante Silhouette der einst wichtigsten Gebäude des Städtchens von der alten Schule bis zur ehemaligen Schlossapotheke. Die Kirche ist neben dem Bohlenstubenhaus und der Lichteneck das älteste Gebäude der Stadt. Der wuchtige Turmsockel ist romanisch und gehört ins 13. Jahrhundert. Die heutige äußere Form der Kirche entstand um 1500. Da wurde das Landkirchlein zur Kapitelkirche (1487 bis 1545) mit Langhaus und Chor, der ein spätgotisches Netzgewölbe erhielt.  

 

Blick in den Chorraum

Und in diesem Chor wurde alles untergebracht, was zu einer bedeutenden katholischen Kirche gehörte: Die Schlusssteine zeigen von West nach Ost das reiche Programm: den Kirchenpatron St. Nikolaus, Christus, Maria mit Jesus, das Wappen des hohenlohischen Patronatsherrn, das Wappen seiner württembergischen Gemahlin, die heilige Katharina, die Taube, die heilige Barbara und das Kreuz. Auf den Konsolen, die das Gewölbe tragen, sieht man als Büsten nach einer Teufelsfratze alle Apostel ringsum aufgereiht.

Christtophoruswandgemälde an der Südinnenwand der Kirche

Die in der Vormittagssonne leuchtenden Glasmalereien in den drei Fenstern sind allesamt seit 1888 gefertigt worden; einige kopieren die Originale von 1501. 

Die vorreformatorische Kirche war ausgemalt. Im Langhaus beeindruckt der wieder freigelegte riesige Christophorus. 

Abendmahlsbild von Creutzfelder

Das Landstädtchen war eine Hochburg der frühen Reformation. Ingelfinger pilgerten immer wieder nach Hall, hörten sich die Predigten von Johannes Brenz an und bekamen schließlich 1525 den Pfarrer Matthäus Chyträus (Kochhaf), der aber schon 1530 wieder vertrieben wurde. Sein berühmter Sohn David ist in Ingelfingen geboren.
Nach der endgültigen Reformation 1556 war Ingelfingen Sitz einer der 7 hohenlohischen Superintendenturen. Der tüchtige Pfarrer Peter Pfeffer eröffnet die Reihe vieler guter Pfarrer. Man zeigte seinen Glaubenseifer mit der Erhöhung des Turms um das Fachwerkgeschoss (1567). Auch in der Kirche gab es Neues: das Chorgestühl (1603), das Kruzifix (1640), die Orgel (1656) und schließlich 1699 auch einen Hochaltar mit einem Taufbild und einem von Joachim Georg Creutzfelder gemalten Abendmahlsbild. Die Bilder befinden sich heute in der südöstlichen Ecke des Langhauses.

 

Kanzel

Damit sind wir schon in der Residenzzeit der Kirche. Wieder wurde die Kirche zur Baustelle: Man errichtete eine Fürstenloge am südlichen Übergang zum Chor, die der Fürst auf dem vom Schloss zur Kirche führenden Fürstengang bequem erreichen konnte. Über dem Chorgestühl werden ebenso wie im Langhaus Emporen eingebaut, um die vielen Kirchenbesucher aufzunehmen, nachdem jedermann nicht nur zum Kirchenbesuch verpflichtet ist, sondern auch die Predigt anhören muss. Schlafende werden mit einem langen Stock, dem Kirchendusler, geweckt. Die Honoratioren hatten feste Sitzplätze, um die es stets heftiges Gerangel gab. Der Kirchenraum erhielt seine heutige Ausstattung im Sinne des Barocks mit der Kanzel, eleganten Säulen und Kapitellen (1739). Eine Fürstengruft (1717/1730) unter dem Chor signalisierte die auf eine lange Zeit angelegte Herrschaft des Hauses Hohenlohe-Ingelfingen.
Es ist anders gekommen. Seit 1824 ist St.Nikolaus eine einfache Stadtkirche.

Die Emporen im Langhaus sind abgebaut. Aber immer wieder wird die Kirche modernisiert oder für neue Formen der Glaubensvermittlung umgestaltet. 1832 hat man so das parallel zu den Längswänden stehende Gestühl zum Chor ausgerichtet. Bei der letzten Renovierung (1976) ersetzte man Altar und Taufstein und eine moderne Heizung wurde eingebaut. 

Die Geschichte der Nikolauskirche belegt, dass sich eine weltoffene und mutige Gemeinde im Wechsel von Kontinuität und Wandel behaupten kann.            

 

                                                                                                                       Wolfgang Kunzfeld 2010

Die wichtigsten Etappen der Nikolauskirche

1293 Erste Erwähnung einer Kirche.

1490 Um– und Ausbau des Langhauses und des spätgotischen Chors.

  

1518 Erbauung der St. Anna-Kapelle.

  

1556 Einführung der Reformation in Ingelfingen. Die Nikolauskirche wird evangelisch.

1576 Erhöhung des Kirchturms um das Fachwerksgeschoss.

 

1656 Einbau einer Orgel, die aus freiwilligen Beträgen finanziert wird.

  

1698 Einbau der Fürstenloge.

 

1699 Graf Heinrich August stiftet den Hochaltar.

  

1703 Einbau der Kirchenuhr.

  

1719 Die Fürstengruft wird unter dem Chor angelegt.

 

1737 Einbau einer neuen Orgel.

 

1738 Das Langhaus der Kirche erhält statt der flachen Decke ein Tonnengewölbe.

 

1832 Errichtung der jetzigen Sakristei.

 

1937 Kirchenrenovierung, bei der das Fachwerk am Turm freigelegt wird. Die seitlichen Emporen werden entfernt und die Sitzrichtung zum Altar hin gedreht.

 

1969 Außenrenovierung

 

1976 Umfassende Renovierung des Kircheninnenraums.

 

2003 Öffnung des Südportals und Einbau einer Kinderecke.

  

2009  Renovierung des Abendmahlbildes von Creutzfelder.

 

2010 Einbau der Leinwand und des Beamers.